Richtige Schuhpflege ist gar nicht so schwer. Vor allem, wenn man es regelmäßig und unter Beachtung der folgenden Tipps tut. Dann macht es am Ende vielleicht sogar Spaß und ist nicht leidige Pflicht. Denn nur wenig bietet ein schnelleres und befriedigenderes Erfolgserlebnis als das Schuhe putzen: Man sieht sofort, was man gemacht hat.

Schuhherstellung

Die Schuhherstellung lässt sich am besten an einem klassischen Herrenschuh darstellen. Hier sind Handwerkskünste und Komplexität am besten zu sehen. Für einen Schuh dieser Machart sind bis zu 150 Arbeitsschritte nötig, die Arbeit des Schuhmachers an einem Paar Maßschuhe dauert oft bis zu einer Woche und anschließend sollte der Schuh noch einige Wochen auf dem Leisten bleiben, bis er zum ersten Male getragen wird.

Der Leisten ist meist aus Holz und wird beim Maßschuh nach dem Vermessen des Kundenfußes angefertigt. Er ist quasi ein Modell des jeweiligen Fußes und dient dem Schuhmacher während der ganzen Zeit der Herstellung als wichtigstes Hilfsmittel.

Ein Schuh besteht grundsätzlich aus dem Ober- und dem Unterteil. Das Oberteil nennt man Schaft, das Unterteil Boden. Der Schaft besteht in der Regel aus Blatt, Quartier, Lasche, Hinterriemen, Futter, Hinter- und Vorderkappe. Diese Teile werden je nach Design entsprechend aus gegerbtem Leder ausgeschnitten und an manchen Stellen verstärkt, geklebt oder vernäht.

Bevor der Schaft auf den Leisten kommt, wird zuerst die Brandsohle am Leisten befestigt. Dann wird der vorbereitete Schaft über den Leisten gezogen und mit Zwickstiften befestigt. Das Schaftleder erhält bei diesem Vorgang seinen dreidimensionalen Körper. Jetzt wird der Rahmen, ein schmaler fester Lederstreifen an Schaft und Brandsohle angepasst und dann von Hand vernäht. Diese Arbeit ist extrem zeitaufwändig, da jedes einzelne Loch erst mit der Schusterahle vorgebohrt werden muss. Endlich wird der Faden, der Schuster nennt ihn Draht, durchs Loch gezogen und festgezurrt. Dieser wichtige Teil der Schuhmacherkunst verschwindet später fast komplett in der mehrteiligen Sohle, die nun aufgebracht wird.

Die richtige Schuhpflege

Gehen Sie sorgfältig mit ihren Schuhen um!
Ziehen Sie Schuhe am besten mit einem Schuhlöffel an. Der Fersenteil des Schuhs wird dadurch sehr stark entlastet und bricht nicht so schnell aus. Haben Sie einmal keinen Schuhlöffel zur Hand, tut es auch ein Taschentuch (es sollte natürlich nicht aus Papier sein) oder das Ende eines Gürtels. Versuchen Sie bei der Schuhwahl auch an mögliche Wetterwechsel zu denken. Eine Ledersohle im Winter ist schnell zerstört.

Wechseln Sie Ihre Schuhe täglich!
Was für Frauen ganz normal ist, fällt Männern um einiges schwerer. Zu einfach ist es, morgens die am vorigen Abend locker abgestellten Schuhe einfach wieder anzuziehen. Das ist aber leider ganz schlecht für den Schuh. Bedenken Sie, dass ein Schuh im Laufe eines Tages ein Schnapsglas voll Feuchtigkeit aufnehmen muß.

Spannen Sie ihre Schuhe immer auf!
Schuhspanner, möglichst aus Holz, sind ein absolutes Muss. Sie verlängern die Lebensdauer ihrer Schuhe um ein vielfaches, sie verhindern das Brüchigwerden des Leders, sie sorgen für die Beibehaltung der Schuhform, sie erleichtern das Putzen, kurz sie sind unerläßlich. Es gibt übrigens auch kleine Spanner für zierliche Damenschuhe oder Pumps.

Vor der Pflege kommt die Reinigung!
Tragen Sie keinesfalls Schuhcreme auf einen dreckigen Schuh auf! Abgesehen davon, dass der Schuh vermutlich fleckig wirken wird, weil die Deckkraft der Creme nicht ausreicht, verhindert der Dreck das Eindringen der lederpflegenden Creme. Das Leder trocknet mit der Zeit aus und wird spröde. Die Folge sind Risse. Der Schuh geht kaputt.

Reinigen Sie lieber den Schuh folgendermaßen: Entfernen Sie mit einer Bürste vorsichtig den gröbsten Dreck. Danach waschen Sie die Schuhe unter wenig lauwarmen Wasser ab. Aber Achtung! Nicht alle Leder sind gut wasserverträglich. Am Besten erkundigen Sie sich vorher bei ihrem Schuhmacher oder probieren es vorsichtig an einer unsichtbaren Stelle aus. Wenn Sie vor dem Trocknen ein wenig Terpentinwachs auf dem ganzen Schuh auftragen, werden Trocknungsflecken wirkungsvoll verhindert.

Zum Trocknen stopfen Sie die Schuhe am besten mit einer Zeitung aus (ein altes, aber wirkungsvolles Hausmittel). Legen Sie die Schuhe auf die Seite, das fördert den Trocknungsprozeß und bringen Sie nicht zu nah an die Heizung. Das ist Gift für das Leder.

Falls Sie nicht so viel Zeit haben und wenn die Schuhe nicht zu stark verschmutzt sind, können Sie auch einen Lederreiniger benutzen, der den Vorteil hat, dass die Schuhcreme sofort aufgetragen werden kann. Verwenden Sie nicht zuviel Creme und lassen Sie sie gut einziehen. Dann können Sie entweder mit dem Politurtuch oder der Bürste polieren.

Wasserflecken lassen sich auf unempfindlichem (Glatt)-Leder leicht mit ein wenig Petroleumwachs reinigen. Wildleder können davon jedoch nur durch ein komplettes Wasserbad gesäubert werden. Sie legen den ganzen Schuh in lauwarmes Wasser, lassen in zehn Minuten durchfeuchten, reiben dann mit wenig Sattelseife den Schuh gleichmäßig ab und spülen ihn mindestens drei Minuten unter kaltem Wasser ab. Dann lassen sie ihn vortrocknen und spannen ihn auf. Noch vor dem Trocknen sollte der Strich des Leders mit einer speziellen Wildlederbürste ausgerichtet werden. Dann sollte der Schuh mindestens zwölf Stunden trocknen. Anschließend wird der Schuh mit einem sandhaltigen Radiergummi aufgerauht und dann wieder mit der Wildlederbürste frisiert. Schließlich sprühen Sie den Schuh mit einer speziellen Wildlederimprägnierung ein.

Gehen Sie rechtzeitig zum Schuhmacher!
Sollten Ihre Schuhe trotz regelmäßiger Pflege die ersten Abnutzungserscheinungen zeigen, gehen Sie zum Schuhmacher. Er kann sich lösende Nähte, aufplatzende Klebestellen und durchgelaufene Sohlen viel besser (und damit günstiger) reparieren, wenn die Abnutzung noch nicht zu massiv ist.

(Quelle: http://www.planet-wissen.de)